St. Moritz Wintersaison

A (Teil A wie Anfang)

1984 habe ich meine Ausbildung zur Floristin begonnen.
Mittlerweile habe ich so viele lustige Anekdoten und Dinge erlebt als Floristin weltweit.
Nach und nach, veröffentliche ich meine Floristen Storys hier auf meinem Blog.
Ich hoffe, das gefällt Euch.
Ich schreibe nicht chronologisch, sondern so wie es mir in den Sinn kommt.

1. Teil Goldmedaillen, findet Ihr hier.

2. Teil Florist Anekdoten
Wintersaison 1996/1997 St. Moritz (Teil A wie anfang)

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Felix hatte bei Marguns einen Job, ich im Floral Studio im Dorf und in St. Moritz Bad haben wir gewohnt *Winter 1996/1997

Wir (mein Mann und ich) hatten unsere Jobs in der Südsee, genauer gesagt auf Rarotonga, der Hauptinsel der Cook Gruppe.
Da sich ein Zeitfenster von mindestens einem halben Jahr zwischen einem neuen Jobangebot Vorort ergab, wollten wir eine totale Veränderung auf Zeit erleben.
Somit packten wir unsere privaten Dinge in 2 Kartons zusammen und lagerten es bei unseren Freunden auf der Insel ein. Den Rest verkauften wir: das macht man halt so, wenn man als Geselle im Ausland arbeitet.

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…erster Tag im Schnee, der See noch nicht zugefroren.


Über die Zeitschrift Florist hatte ich eine Job für eine Wintersaison in St. Moritz gefunden.
Alles via Fax und Telefon zu koordinieren war nicht so einfach, aber man kannte ja nichts anderes. Wir befanden uns im Jahr 1996.
Mein zukünftiger Arbeitgeber hat sich auf mich gefreut und sogar auch gleich für Felix einen Job organisiert. Und uns eine Adresse vermittelt für ein möbliertes Studio in St. Moritz Bad.
Das kostete zwar extrem viel für unsere Verhältnisse, aber wir hatten ja beide Jobs und wollten nach der Wintersaison auch direkt wieder in die Südsee zurück.
Nachdem wir in Frankfurt gelandet waren, sind wir nach einem kurzen Stopp Over bei der Verwandtschaft in Zürich weiter nach St. Moritz.
Ich kann mich erinnern, dass wir einen totalen Klima Schock hatten.

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…jung und 4 Tage vorher in der Südsee abgeflogen…

(Südsee in sommerlichen plus 28 Grad verlassen, Engadin in winterlichen minus 12 Grad angetroffen).
Eingeplant waren ein paar Tage Akklimatisieren in St. Moritz und dann mit den neuen Jobs zu starten. Dummerweise haben wir uns bei unseren Arbeitgebern gemeldet. Nur um zu melden, dass wir gut angekommen waren, aber…SOFORT AN DIE ARBEIT! Hiess es.
Denn der Schnee war da und das heisst: los geht’s.
Ich habe im Floral Studio am nächsten Tag meinen Job gestartet, etwas komisch war es schon denn ausser dem „wie ich dachte Inhaber“ und mir war niemand da.
So meine ich mich zu erinnern...
Auch keine Blumen…in solchen extrem abhängigen Orten von Tourismus und Witterung heisst es Vorarbeiten und Produzieren für die Saison.
O.K. womit denn?
Im Sommer wurden dort schon hunderte von Rosen in grossen Kübeln mit Salz getrocknet, sind dann besonders schön und edel (sehen aus wie frisch oder die heute bekannten präparierten Rosen).
Der ganze Keller stand damit voll, auch hatte es weitere Dinge für die Saison.
Unter anderem tolle Bänder: Rollenweise, damals ganz neu mit Drahtkante.

Transport war ja im Winter teilweise nur per Bahn möglich.
Diese Rosen wurden nun (von mir) verarbeitet in Körbe kurz gesteckt mit etwas Floralien aussen rum.
Dicke Masche dran, fertig. Der Preis war je nach Inhalt 300.- bis 400.- chf .
Es machte mir nichts aus, diese Tätigkeit Tage lang zu machen.
Zusätzlich schrubbte ich die Schaufenster und den ganzen Laden.
Und ich fing an, ein zu dekorieren. Die Floristen die in der Sommersaison bis Ende September dort gearbeitet hatten, mussten den Laden verlassen haben, als wenn er gebrannt hätte, glaube ich.
Es sah eher aus wie nach einer Flucht.
Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie Blumen riechen, die in Vasen in einem abgestellten Kühlraum wochenlang warten bis sie weggeworfen werden….

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Rosenkörbe mit Salzgetrockneten Rosen

Nun ja, es war echt spannend aber irgendwie war ausser Mitarbeitern von anderen Firmen kaum jemand zu sehen auf der Strasse. Keine Touristen.
Da das Floral Studio nur saisonal geöffnet hatte, wurden Aufträge wie Beerdigungen und so weiter von den anderen Blumengeschäften die 12 Monate geöffnet waren erledigt. Obwohl die Lage unseres Geschäftes mitten im Dorfkern viel besser war.
Mein Arbeitgeber war meistens unterwegs. Zwecks Organisieren von Aufträgen.
Dies ging natürlich mit der Konsumation vieler alkoholhaltiger Getränke einher.
Die ersten 2 Wochen waren vorbei und endlich kann eine weitere Floristin dazu. Herrlich, endlich nicht mehr allein!
Elvira, ein flotter Lockenkopf und toller Typ, für sie die erste Wintersaison ausserhalb von Luzern als Jungfloristin.
So eine tolle flotte Floristin, wir hatten sofort eine Wellenlänge…

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Elvira und Marion, Dreamteam

Anfang Dezember kam dann auch mein Arbeitsvertrag (per Post) und ich hatte den Job als Geschäftsführerin, stolz habe ich unterschrieben.
Man konnte ja nicht eben recherchieren, was das beinhaltete.
Mein erstes Geld erhielt ich für November bar auf die Hand, war ja wie in der Südsee, dachte ich.
Unser Studio in ST. Moritz Bad war wirklich komplett eingerichtet, na klar war ja eigentlich für Ferien Gäste gedacht.
Es waren ca. 30 Wohnungen in dem ganzen Block und die ersten Wochen haben wir dort ganz alleine gewohnt. Toll, die Berg Aussicht und wir hatten unser erwünschtes Kontrastprogramm, mit TV und Schrankbett. Vor der Küchenzeile war eine Gardine mit Eselchen drauf, heute wäre wohl alles Retro und Hip. Damals war es zweckdienlich. Sogar einen Balkon hatten wir, mit einer Lichterkette wurden die Balkonkästen und was darin wurzeln hatte bestückt. Von weitem sah man immer das dort Felix und Marion wohnten.

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erster Schneemann vor unserem Studio Block in St. Moritz Bad

Andere Saison Arbeiter hatten oft nur ein ganz kleines Zimmer oder sie wohnten in einer WG. Oder im nahegelegenen Italien. Na ja, die hatten ja auch nicht alles was Ihnen vorgeschlagen wurde dann auch direkt aus der Südsee gebucht …
Jetzt sah man auch schon Touristen, wenn auch nur wenige. Seit Elvira da war, ging es auch an Aufträge ausser Haus zu gestalten. Hoteleingänge saisonal mit Winterlichen Girlanden und Dekorationen zu bestücken.
Zum Teil haben wir das direkt im Arbeitsraum gestalten können, sehr oft aber auch vor Ort. In Tiefgaragen oder direkt bei den Eingängen.
Bei minus 12 Grad, alles eine Frage der Organisation.
Froh waren wir über die noch schnell gekaufte Kleidung,
beim Stopp Over in Zürich.
Denn vor Ort gab es ja nur Edelboutiquen oder Saison Angebote vom COOP.
Auch die Bergrestaurants wollten etwas Ausgefallenes. Bei einem haben wir Gondelweise weiss eingesprühte Birkenzweige hochgefahren.
Jeder der schon mal Birkenzweige mit einer Vierergondel auf ein Skigebiet gebracht hat, weiss wie extrem das bricht wenn es gedrückt und gequetscht wird. Oben wurde dann kurz vom Chef erklärt, wie es verarbeitet werden sollte, an der Decke mit Lichterketten und so weiter.
Dann verschwand er mit der Info bis wann es fertig sein muss… da ja dann die letzte Gondel ins Tal fährt.
Vor Ort war Vernetzung und Verbindung wirklich wichtig, wenn ich jemanden um einen Gefallen gefragt hätte, hätte sich sicherlich nichts bewegt.
Aber dafür war ja mein Chef vor Ort.

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Auf Glüna eine von 4 Palmen, die anderen standen direkt in der Schneepiste

Bei einer Ski Bar auf der Piste auf über dreitausend Metern Höhe sollten Palmen stehen, super Idee.
Also wenn jemand mal Tipps in der Richtung braucht, einfach mir eine Mail senden, ich melde mich sofort.
Gratis Tipp für Palmen auf der Piste: Holzpfosten ( total 4 Palmen)
ca. 4 Meter lang mit Helikopter anliefern lassen. Aus Italien Palmwedel und Kokosfaser bestellen, diese im Original Karton in die Transportbahn Quetschen.
Vor Ort ganz einfach Palmblätter ähnlich wie in der Natürlichen Form mit Draht befestigen und die Kokosfaser an den Stamm tacken.
Das Ganze mit Hilfe von Pistenfahrzeugfahrern kurz nach der Mittagspause (sonst sind sie weg) in den Schnee buddeln und rammen.
In der Hoffnung es hält.
Und es hat gehalten, und war anscheinend in aller Munde, die Ski Bar mit den Palmen.
Es gibt sicherlich bessere Fotos davon, ich habe tatsächlich dieses eine Bild fast zum Saisonende geschossen, als auch die Palmen am Ende ihrer Pracht waren.
Zu der Zeit hatte man ja nicht mal eben eine Kamera in der Hosentasche.

Es wurde Mitte Dezember und die Strassen füllten sich mehr und mehr mit Touristen und dicken Autos.
Hotels und Einzelhändler waren parat für den grossen Ansturm.
Jeder hatte seine Schaufenster in Szene gesetzt. Wir waren soweit durch mit unseren Saisonaufträgen an Gebäudeeingängen und Hotelempfängen. Gut, war so viel zu finden in den Keller Lagerabteilen.
Eine Floristin kann ja echt zaubern, wenn es an Material mangelt. Schnittblumen erhielten wir direkt aus Italien, so frisch und flott per Zug. Grosse Kartons holte ein netter junger Mann ( Andri ) vom Bahnhof ab und brachte sie uns, gefüllt mit Kompost wurden die Kartons abends wieder bei uns abgeholt und in irgendein Tal oder so entsorgt.
Wir hatten ja kein Firmenauto, also lieferte Andri in seinem Privatwagen morgens und abends Bestellungen aus die nicht von unserer Nachmittags Aushilfe (der zweiten, kleinen Elvira) zu Fuss geliefert werden konnte.
Zum Badrutt’s Palace Hotel lieferten wir mehrmals täglich, das waren ja nur ein paar hundert Meter entfernt.
An die Hotels lieferten wir an die Concierge die direkt bar bezahlten
(Sie haben es ja auch oft bestellt für die Hotel Gäste) Natürlich zahlten sie nicht den Preis auf der Quittung sondern minus 20 %, das war Ihr Anteil plus das Trinkgeld vom Gast.
Manche Concierge waren echt Best Verdiener, man sagte nach einer Wintersaison konnte eine ganze Familie von der Steuerfreien Einnahme bis zur nächsten Saison leben. Isst heute sicherlich nicht mehr der Fall.

Interessant war, die Rechnungen unserer Aufträge wurden geschrieben und bezahlt von einer ganz anderen Buchhaltung, wir brauchten immer nur alles per Post weitersenden und somit war es für uns erledigt.
O.K., das hätte unser Arbeitgeber vor Ort auch nicht machen können, seine Alkohol Exzesse wurden immer extremer.
Er sass vis a vis des Ladens in einer Bar und hat uns immer beobachtet.
Denn wir durften am Abend den Laden erst schliessen wenn 30 Minuten Non Stopp kein Kunde mehr kam. Irgendwie ist immer wieder ein Pelzmäntelchen im Laden gewesen um sich etwas Nettes zu gönnen für die Ferienwohnung oder das Hotelzimmer.
So wurde es oft ca. 21 Uhr bis wir den Laden verliessen.
Falls wir eher zumachten, kam ein Anruf von der anderen Strassenseite:
„ Offen lassen! “ hiess es da nur kurz und schroff.
Natürlich waren wir morgens vor 8 Uhr da, 6 Tage die Woche. Sonntags war der Laden geschlossen, wie die meisten anderen Geschäfte auch.
Aber es sollte alles noch viel extremer werden…

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…das ganze Team Zeitweise waren wir zu viert: kleine Elvira, Marion, Elvira und Corina

Ich merke gerade dass dieses sehr komplex ist und ich
St. Moritz in A (wie Anfang) und B (wie Bergfest) Teil berichten werde. Denn es hat noch einiges Florales zu berichten…aus der Wintersaison 96/97.

Hat es Euch soweit gefallen?
Wenn Ihr noch nicht zum Blognewsletter angemeldet seid mach das doch eben, somit verpasst Ihr keine Fortsetzung meiner Floristen Storys.

Bis bald wieder…
hier bei Eurer Marion

vor 4 Wochen

14 Kommentare

  1. Liebe Marion, da kommen auch bei mir wieder viele Erinnerungen….. zum Thema Palmen !! Wir mussten mal für eine Party das ganze Hallenbad vom Palace mit Palmen dekorieren, aus allen Säulen wurden Palmen gebastelt!!!! Heisse Sache, nicht so eine Kälte wie bei Dir auf dem Berg …. bin gespannt auf weitere Geschichten…… lieber Gruss Brigitte PS bin eine Woche in St.Moritz anfangs Februar

    1. Merci Brigitte, hatte gehofft das Du es liest…hast ja auch coole Erfahrungen gesammelt in Deiner Florist Karriere.
      Viel Spass in St.Moritz…
      mit Champagner Glas in der Hand
      Herzlichst
      Marion

  2. …so ein spannendes und abenteuerliches Leben!
    Jetzt verstehe ich warum du immer so froh, open -minded, und spontan bist!
    Ist mega schön gewesen zu lesen !(und ich habe alles verstanden)
    Ich freue mich auf die Folge! Ganz liebe Grüsse,
    Bisous du Val-de-Travers !!!

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